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Sind crossmodal correspondences kulturell erlernt? Zuordnungen von Farben und Tönen in Madagaskar

Tag / Zeit: 17.08.2021, 10:40-11:00
Raum: Lehar 2
Typ: Regulärer Vortrag
Session: Psychoakustik 3
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Zusammenfassung: Zuordnungen von hohen-tiefen Tonhöhen und hellen-dunklen Farben sind als crossmodal correspondences in der menschlichen Wahrnehmung verankert (Spence 2011, 2019). Klangfarben spielen bei westlichen Farbe-Klangfarbe-Zuordnungen nur eine untergeordnete Rolle. Um zu klären, ob Farbe-Klangfarbe Wahrnehmungen kulturell erlernt oder angeboren sind, wurde aufbauend auf einer Studie mit westeuropäischen Hörer*innen (Siddiq et al. 2021) eine Replikationsstudie mit afrikanischen Teilnehmer*innen in Madagaskar durchgeführt. Hierbei wurden von 63 Versuchspersonen 60 Klänge westlicher Orchesterinstrumente in verschiedenen Tonhöhen den 38 Farben des Berkeley Color Projects (Palmer et al. 2013) zugeordnet.Im Gegensatz zur Studie mit westeuropäischen Hörer*innen zeigten sich hier deutliche Farbzuordnungen zu einzelnen Instrumentalklangfarben, während ein Einfluss verschiedener Tonhöhen auf die Farbzuordnung nicht erkennbar war. Darüber hinaus wurden Unterschiede bei den Klangfarbe-Farbzuordnungen zwischen Kindern und Erwachsenen festgestellt. Eine mögliche Erklärung für dieses Ergebnis könnte sein, dass die Zuordnung von hohen-tiefen Tonhöhen zu hellen-dunklen Farben eine westlich ankulturierte crossmodale correspondence darstellt und dass in nichtwestlichen Kulturen auch Gegensatzpaare wie leicht-schwer, jung-alt oder dünn-dick zur crossmodalen Beschreibung von Tonhöhen verwendet werden (z.B. Eithan and Timmers 2010; Dolscheid et al. 2013), so dass hier die Farbe anderen auditiven Attributen (in diesem Fall der Klangfarbe) zugeordnet werden kann.