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Erinnern eines in Ruhe gehörten Dialogs: Kolokalisierte Sprecher induzieren mehr Höranstrengung als räumlich separierte Sprecher

Tag / Zeit: 18.08.2021, 09:20-09:40
Raum: Lehar 4
Typ: Regulärer Vortrag
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Zusammenfassung: Hört man dem Dialog zweier Sprecher in „real life“ zu, sind die Sprachsignale räumlich separiert. In Telefon- oder Videokonferenzen ist dies in der Regel nicht der Fall. Wir untersuchten in zwei Experimenten, ob diese räumliche Separierung der Sprachsignale das Erinnern von Text erleichtert, der von zwei Sprechern – wie in einem Dialog – abwechselnd gesprochen wird. Dazu wurden die beiden Sprecher entweder an zwei verschiedenen Positionen auralisiert oder waren kolokalisiert. Zusätzlich zur Zuhöraufgabe (Primäraufgabe) bearbeiteten die ProbandInnen eine visuell präsentierte Sekundäraufgabe (cross-modales Dual-Tasking). Die Leistung in der Sekundäraufgabe diente als Indikator für die kognitive Belastung durch die Zuhöraufgabe (Primäraufgabe). In beiden Experimenten (n1 = n2 = 24) zeigten sich keine Unterschiede in der Erinnerungsleistung für die gehörten Inhalte in Abhängigkeit davon, ob die beiden Sprecher kolokalisiert oder räumlich separiert gerendert worden waren. Allerdings war die Leistung in der Sekundäraufgabe in beiden Experimenten höher bei räumlich separierten Sprechern. Dies spricht dafür, dass Höranstrengung auch beim Zuhören in Ruhe – und damit unter allgemein als ideal angesehenen Zuhörbedingungen – davon abhängt, ob auditiv-perzeptive Informationen zur räumlichen Separierung der beiden Sprecher verfügbar sind.Die Ergebnisse werden in kognitionspsychologischer und anwendungsbezogener Perspektive diskutiert.